Törn zu den Kap Verden 2012

Törn von Gran Canaria, Pasito Blanco nach SAL - Palmeira
Jänner 2012 - 794 Seemeilen

1.Tag

Nachdem wir Sagitta`s Deck am Morgen noch mit Polish einließen, liefen wir dann zu Mittags aus. Der Wetterbericht versprach uns Nordostwind mit 10 Knoten bis zum Abend. Daraus wurde Südwestwind und somit wieder mal Wind auf die Nase. Wir segelten dadurch zuerst einmal Richtung Mauretanien damit die Jungs die ersten Handgriffe an Bord durchführen konnten. Mittagessen Penne mit Meeresfrüchten.Danach hieß es mal Motor an und Kurs Mindelo - Sao Vicente, Kap Verden.
Am Abend drehte der Wind dann mehr östlich und wir konnten bei 8 Knoten Wind und mit richtigem Kurs segeln. 215 Grad. So ging es in die Nacht hinein.
3-stündiger Wachrythmus nachts.Tagsüber 4 Stunden. Für Joel, Sebastian und Antoine, die sich abwechselten, waren es die
ersten Nachtwachen. Springende Delfine neben unserer Bordwand sorgten für die erste Aufregung. Danach ein Frachter achteraus, der auf uns Kurs hielt und erst relativ spät an unserer Backbordseite erkennbar vorbeiging. So läuft es halt. Nach Schiffen Ausschau halten, versuchen den Kurs auszumachen und sich wieder erleichtert zurücklehnen, wenn keine Gefahr besteht und wir gesehen wurden. Das Radar ist dabei natürlich sehr hilfreich. Etmal 114 Seemeilen.

2.Tag

Wieder einmal ließ uns der Wind im Stich und wir motorten bis zum Nachmittag. Mittags verlangsamten wir die Fahrt und die Jungs konnten sich ins Wasser werfen und mit der ausgebrachten Leine nachschleppen lassen. Danach Sonnenbad an Deck. Man muß die Crew ja bei Laune halten.
Abends nach dem Sonnenuntergang endlich wieder nennenswerter Wind. Butterfly unter Vollzeug. 100 Quadratmeter Segelfläche sind draußen. Die Nacht rauschen wir mit 6 Knoten dahin. Keine Schiffssichtungen, keine Winddrehungen. Jetzt um 7 Uhr morgens, nach der 2. Nacht haben wir seit Gran Canaria 212 Seemeilen hinter uns gebracht. Noch rund 600 bis Sao Vicente - Mindelo.
Vom Osten her wird es heller am Horizont, aber es dauert noch bis uns die Sonne den Atlantik wieder ins rechte Licht setzt. Der Wind dreht gegen Mittag mehr auf Ost, ich nehme den Spibaum von der Genua und bringe sie ebenfalls auf die Steuerbordseite. Flottes Segeln bei Raumschotkurs. 6,5 Knoten. Mittagessen Grillhuhn. Etmal 128 Seemeilen. Am Nachmittag dann etwas Regen.Die Nacht soll uns Ostwind bis 20 Knoten bringen. So ist es dann auch. Nordost mit 18 Knoten bringt uns auf phasenweise über 8 Knoten Fahrt. Im Schnitt geht es so mit 7 Knoten anständig dahin.Nachlaufende Welle.

3.Tag

Nach einer schnell durchsegelten Nacht begrüßte uns ein stark bedeckter Himmel. Der Wind hält an und es geht weiter flott dahin. Am Morgen bringe ich wie jeden Tag die Schleppangeln aus, bis jetzt hatte wir ja leider noch keinen Biß. Aber wir nähern uns immer mehr den fischreichen Gewässern um die Kap Verden.Theoretisch steigen unsere Chancen also.Heute gab es zu Mittag Tortellini mit Zucchini.Kochen unter Deck erfordert manchmal akrobatische Eigenschaften. Die mit dem Wind laufende Welle erreicht doch manchmal um die 3 Meter. Etmal 140 Seemeilen. Einige Portugiesische Galeeren ( Quallenart) entdeckten wir heute neben dem Schiff.

4.Tag

Um 4 Uhr Früh Funkgespräch aufgefangen. Dürften Afrikanische Fischer gewesen sein.Ich habe auf Grund des Windes umdisponiert. Ziel ist jetzt Sal. Joel hat nach dem Mittagessen mit seiner Gitarre ein paar Lieder vorgetragen. Stark bewölkt mit kurzen sonnigen Phasen.Uhr auf Kap Verden Zeit eingestellt. 1 Stunde retour zu den Kanaren, 2 Stunden zur MEZ. In Wien ist es also bereits 2 Stunden später.Etmal 137 Seemeilen.Kein Fisch an der Angel.

5.Tag

Um Mitternacht Funkgespräch mit Frachter der genau in unserem Kielwasser fährt und rasch aufkommt. Geht dann eine halbe Seemeile Steurbord an uns vorbei.Es riecht im Salon nach frischem Brot. Keine 5 Minuten, und der Brotbackofen wirft wieder einen Laib aus. Wir haben fast jeden Tag eines gebacken. Mit der Brotbackmischung von Lidl um 1,50 € funktioniert dies hervorragend. Halbes Sackerl hinein, extra Kümmel dazu und 350 Ml Wasser. Das war`s. Den Rest erledigt der elektrische Brotbackofen, den ich bei Carrefour in Las Palmas um 75 € kaufte, in 3 Stunden. Wobei der größte Stromverbrauch in der Letzten stattfindet, beim Backen. 2 Stunden später,Schiff auf Gegenkurs! Bei Annäherung zeigte es 2 rote Lichter übereinander - Manövrierbehindert.Über Funk erfuhr ich vom Kapitän, dass sie Maschinenausfall haben und treiben. Es war die Alexander von Humboldt II, die wir in Santa Cruz auf Teneriffa bewunderten. Ein Dreimaster, der erst voriges Jahr in Bremen vom Stapel lief. Noch 165 Seemeilen bis Sal.

6.Tag

In dieser Nacht keine besonderen Vorkommnisse.Um 9 Uhr kommt Land in Sicht. Die Insel Sal zeichnet sich am Horizont ab.25 Seemeilen noch entfernt. Der Himmel ist stark bewölkt.Um 14 Uhr fällt unser Anker dann in der Bucht von Palmeira. Optisch nicht unbedingt ein Leckerbissen, aber die Freundlichkeit der Einheimischen macht dies locker wett. Einklarieren erfolgt ausschließlich in der Polizeistation im Ort. Die Beamten sind auch außergewöhnlich freundlich. Die Gesamtkosten betragen 12 € für 4 Personen. Da wir alle Inseln anlaufen wollen, werden diese auch eingetragen. Auf der nächsten Insel müssen wir dann wieder zur Polizeistation und uns anmelden. Keine Touristen hier im Ort. Viele Hunde die auf der Straße leben und ebenso relaxed wie die Menschen hier wirken. Unser Dinghi machten wir bei der Fischermole fest. Der Euro fungiert hier als Parallelwährung. Es gibt ein brauchbares Internetcafe, die Stunde kostet 2 €. Skype funktionierte damit auch wunderbar.

Zusammenfassung:

30 h Motorlaufzeit
2 nächtliche Funkgespräche
100 Liter Wasser verbraucht, nur als Brauchwasser. Getrunken wurde Mineralwasser.
8 Schiffssichtungen, eine davon die "Alexander von Humboldt",mit Motordefekt treibend in der Nacht
794 Seemeilen in 6 Tagen und 2 Stunden
Durchschnittsgeschwindigkeit 5,4 Knoten
Kein einziger Fisch konnte sich für unsere Köder begeistern
1 kleiner, toter Kalamar an Deck