Azoren im Juni 2011

Azoren - Flores - Lajes de Flores

Juni 2011

Nach unserer Atlantiküberquerung ankerten wir ja eine Nacht im Hafen von Lajes. Da es uns dort viel zu rollig war, verlegten wir uns am nächsten Morgen an die geschütze Mole, die die neue,kleine Marina schützt. Jetzt kam unsere Aluminiumleiter, die auch als Gangway fungiert, zum Einsatz, um die vom Schiffsdeck aus 2,5 Meter zu überwinden, die uns vom Land trennten. Gemeinsam gelang es uns ohne Verletzungen die Mole über die schwankende Leiter zu erklimmen.

Im Innenbreich gibt es ganz neue Schwimmstege, die bereits von den Seglern genützt werden. Strom und Wasser sind noch nicht angeschlossen. Innen ist es allerdings weit unruhiger als bei uns außen an der Wand. Die Schiffe zerrten anständig an den Leinen. Bei einem sehr freundlichen Polizeibeamten erldigten wir unsere Anmeldung in der europäischen Union. Es wurden nur die Reisepässe und die Schiffspapiere eingesehen. Die offizielle Einklarierung erfolgt ja dann erst in Horta.

Paula kümmert sich hier in Lajes de Flores um die Segler. Sie betreibt mit ihrer Angestellten einen Kiosk, wo es Kaffee, Kuchen und natürlich auch ein Bier gibt. Wäsche wird von ihr sehr teuer gewaschen ( 13 € pro 5 kg Maschine, trocknen und falten inkludiert). Im Gegensatz dazu sind ihre Leihautos mit 30 € pro Tag wieder günstig. Allerdings erwischten wir einen alten Rover, der nicht mehr ansprang als wir ihn abstellten. Dafür hat sie dann auch nichts verlangt. Ebenso kann man ihr die Dieselkanister zum Füllen überlassen. Gegen einen Aufpreis von 10 € auf den Treibstoffpreis, werden sie dann gefüllt von ihrem Mann zum Schiff gebracht.

Das beste Restaurant, von einer Deutschen betrieben, befindet sich ca. 25 Minuten zu Fuß entfernt. "Casa do Rei" Ist den Weg aber auf jeden Fall wert. Das Restaurant in der Nähe des Kiosk ist ganz brauchbar, hat aber meistens nur 2 Gerichte am Abend, die am Grill auf der Straße zubereitet werden.

Das Taxi nach Santa Cruz, der Inselhauptstadt, 20 Minuten Fahrzeit, kostet 15 € Oneway. Ein kanadischer Kat-Segler legte sich längsseits an unsere Sagitta, danach ein holländischer Amel - Segler, der sich von meinem Protest nicht abhalten ließ.

25 Knoten und ein anständiger Schwell ließen unsere Leinen ächzen. Der Abstand zur Wand betrug bei belasteten Fendern oftmals nur mehr einige Zentimeter. Die Leinen scheuerten an der Molenkante, der aufgeschnitten Teil eines Gartenschlauches diente als Scheuerschutz. In der letzten Nacht, bevor wir nach Faial ablegen wollten, muß Mickey, unser Kater, über das Bimini auf die Mole gesprungen sein. Er wurde auch am nächsten Vormittag trotz unserer intensiver Suche nicht mehr gefunden. Gerlinde war natürlich besonders traurig über diesen Verlust.

 

Azoren - Faial - Horta

Horta mit der Marina

Die 130 Seemeilen legten wir unter Motor in 24 Stunden zurück. In Horta war zum Glück gleich ein Platz an der Tankstelle frei. Nachdem wir alle Tanks und Kanister gefüllt hatten, waren wir 550 € los. Der Liter Diesel kostet 1,23 €. Willkommen in Europa. Ich erledigte auch gleich die Anmeldung in der Marina, besuchte den Hafenkapitän und den Zollbeamten. Alle sind im gleichen Gebäude an der Tankstelle untergebracht. Die Marina kostet 19 € inkl. Steuer, Strom und Wasser. Sehr günstig. Sie feiert aktuell ihr 25- jähriges bestehen. Unser Platz befindet sich neben einer britischen Motoryacht, an der wir festmachen. Kein Anker und keine Mooring. Funktioniert aber.

Leihautos sind hier um 44 € pro Tag zu haben. Es gibt auch Motorroller um 25 €. Fahrräder gratis bei der Touristinformation. Peter`s Cafe ist nach wie vor beliebtester Anlaufpunkt der Seglergemeinde. Gin Tonic um 2,40 €. Sehr gute Restaurants im Ort. Steakhouse, am Hafen in der Nähe des Fähranlegers und FX/Bar - Restaurant, die Stiegen hinauf, parallel der Hauptstraße, erst ab 20 Uhr offen. Beide haben den heißen Stein für sich entdeckt. Man bereitet sich sein Fleisch oder auch Fisch darauf selbst zu.

Azoren - Pico

Mit der Fähre, unternahmen wir einen Tagesausflug zur Nachbarinsel Pico. Um 3 € pro Strecke brachte sie uns in kanpp 30 Minuten nach Madalena. Maria, die Taxifahrerin zeigte uns in den kommenden 3 Stunden ihre Insel. Wir besuchten ein kleines Walfangmuseum in Lajes. Mein Interesse weckte allerdings die kleine Marina im selben Ort.

Die Franziskaner betrieben hier bereits Weinbau und errichteten mit den Lavasteinen kleine Mauern, die die Reben vor dem Wind schützen.

Sao Roque

Nachdem wir am Abend dann auch noch ein freies Plätzchen an der Hafenpromenade fanden, verewigten wir uns  mit dem Schiffsnamen. Für alle die nach uns nach Horta kommen, Sagitta war schon vorher hier.

Azoren - Sao Jorge - Velas

Tags darauf segelten wir gemütlich nur mit der  Genua zur Insel Sao Jorge. In der Marina von Velas gab es noch Platz für uns. Diese gehört zur selben Gruppe wie auch die Marina von Horta. Sie sind auch im Preis ident. Sehr freundliche Begrüßung am Steg durch den Marinemanager. Hinweise zum Ort und Kartenmaterial inklusive. Die Duschen sind neu und man kann sie als luxuriös bezeichnen. 1,5 € werden pro Dusche dafür fällig. Wäsche waschen und trocknen ist auch möglich. Der Ort selbst ist ebenfalls sehenswert.

Azoren - Terceira - Angra

Auf Terceira angekommen, machten wir zuerst längsseits am Besucherkai fest. Nach der Anmeldung bekamen wir unseren Liegeplatz an einem Fingersteg zugewiesen. Es ist immer leicht bewegt, so das Sagitta ziemlich heftig an den Leinen zerrt. Den anderen geht es aber nicht besser. Nur ganz innen im Hafen wäre es ruhiger. Die Stadt Angra ist von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden. Verdienterweise. 1980 erst wurde sie von einem Erdbeben zerstört und danach Stilgerecht wieder aufgebaut. Die andere größere Stadt auf der Insel befindet sich mit dem Autobus 30 Minuten entfernt, Praia de Vitoria (Bucht des Sieges). Dort befindet sich eine sehr günstige Marina unter Obhut der Gemeinde.

Am Freitag beginnt in Angra das Fest zu Ehren des Heiligen Geistes. Es dauert über 2 Wochen. Berühmt ist es auch dadurch, dass Sie einen Stier durch die Straßen treiben. Er ist durch ein Seil zwar nicht ganz frei, hat aber genügend Spielraum, um allzu Wagemutige auf die gepolsterten Hörner zu nehmen.

Da wir noch "ein paar" Seemeilen bis zu den Kanaren vor uns haben, besuchen wir nur ein paar Standl am Abend und legen am nächsten Tag zu Mittag nach Sao Miguel, der größten Insel der Azoren ab.

Azoren - Sao Miguel - Ponta Delgada

 

Nach 95 Seemeilen gehen wir um 3 Uhr Früh an den Rezeptionskai der Marina Ponta Delgada. Nach einem 4 - stündigen Schläfchen melden wir uns in der Marina an. Danach Finanzbehörde, Policia Maritima, Zoll. Alle müssen händisch die Paßdaten erneut in Ihren Computer einklopfen. So dauert die ganze Prozedur etwa 40 Minuten.

Ponta Delgada ist ein richtiges Freilichmuseum. Die weiß getünchten Wände mit ihrem schwarzen Fassadenschmuck aus Basalt prägen das Stadtbild. Die historische Altstadt steht komplett unter Denkmalschutz. In der Marina geht es wesentlich ruhiger zu als in Horta. Würde sich sehr gut als Ziel einer Atlantiküberquerung eignen.

Eigentlich wollten wir als letzte Azoreninsel noch Santa Maria anlaufen, vor der Hafenenifahrt entschloß ich mich den für uns günstigen NO mit 25 Knoten weiter zu nutzen und Richtung Madeira zu segeln. Da der Wind die Tage dann immer mehr auf Ost drehte, mußten wir Madeira auf ein anderes Mal verschieben. Am 6. Tag, nachdem wir von Ponta Delgada lossegelten, erreichten wir um 21:00 Uhr die Marina von Las Palmas auf Gran Canaria. 800 Seemeilen liegen wieder hinter uns.

Am Texaco Anleger übernachteten wir und füllten am nächsten Morgen unseren Treibstofftank. Der Liter Diesel kostet auf den Kanaren erfreuliche 0,90.- €. Auf den Azoren verlangten sie noch 1,23.- € dafür.

In der Marina anmelden und dann am endgültigen Liegeplatz festmachen. Nach 17 Monaten wieder am Ausgangspunkt der 1. Atlantiküberquerung angelangt. Von Guadeloupe nach Gran Canaria hatten wir 3400 Seemeilen zurückgelegt. 6220 km, für die Landratten. Da haben wir uns doch glatt einen Manöverschluck verdient. Ausnahmsweise halt :-)

Von hier fliegen wir mit Air Berlin zurück nach Österreich.