Transatlantik West - Ost 2011

Transatlantik 2011, West - Ost Passage, Guadeloupe - Flores, Azoren

14. Mai bis 31. Mai,  17 Tage - 2280 Seemeilen

In Deshaies vor Anker liegend, erwarteten wir unsere Mitsegler Heinz und Wolfgang aus Salzburg. Sie kamen 1 Stunde verspätet mit Corsair von Paris in Pointre a Pitre an.Nach ein paar Freudentänzen in der Ankunftshalle, schleppten wir das Gepäck zum von mir am Vormittag organisierten Leihauto. Wir benötigten rund 50 Minuten nach Deshiaes, wo wir die Taschen in unser Dinghi umladeten und zum Ankerplatz rausfuhren.

Die nächsten Tage waren mit Einkaufen, Wasser bunkern (mit Kanister), und Schiff überprüfen gefüllt. Der größte Teil an Lebensmitteln wurde beim "Leader Price" gekauft. Bier und Wein brachten wir bereits aus St. Martin mit, da es dort um einiges billiger zu bekommen war. Die Gesamtausgaben beliefen sich auf rund 800 € für 4 Personen und auf 3 Wochen gerechnet. Norbert, von der Segelyacht "Pamela" lag direkt neben uns. Zum letzen Mal spielte ich noch Tennis mit ihm auf den Plätzen neben dem Fischerhafen.

 

Am nächsten Tag um 13:30 ging es dann endlich los. Anker auf, Norbert begleitete unsere Abfahrt mit seiner "Tröte", noch ein letztes Mal gewunken, dann um die Ecke, 2200 Seemeilen liegen jetzt vor uns. Kurs 60 Grad. Ziel ist die westlichste Insel der Azoren, Flores. Dort sollen wir uns auch mit Norbert wieder treffen. Er möchte vorher noch einen Stop in Antigua einlegen, um günstig Gas und Diesel zu bunkern. Danach wird er Einhand segeln. Wir erwarten ihn 2 Wochen später. Leider ist er dann doch in der Karibik geblieben, wie wir auf den Azoren via Skype erfahren haben.

Nachdem wir die Abdeckung Guadeloupes hinter uns ließen, ging es flott voran. 8 Knoten lagen an, 18 Knoten SO Wind. Kurs direkt auf Flores. So soll es sein. Das bescherte uns auch gleich ein Etmal von 150 Seemeilen nach den ersten 24 Stunden. Leider ging es dann nicht mehr ganz so flott weiter. Wechselnde Winde, Ost, Nordost. Dadurch konnten wir den direkten Kurs einige Tage nicht segeln. Danach gab es eine größere Front, die uns Wind mit 32 Knoten und Regen bescherte. Ging aber auch vorbei.

Das Leben an Bord hatte sich nach ein paar Tagen hervorragend eingespielt. 4 Stunden Wachrythmus tagsüber und 3 Stunden nachts. Einmal am Tag wurde gekocht, das Frühstück bereitete sich jeder selbst. Abends gab es meisten etwas Kaltes. Frische Brot wurde in unserem Brotbackofen zubereitet und war wie immer eines der vielen kulinarischen Highlights an Bord. Auf der Speisekarten standen bis jetzt Schweinebraten mit Kraut und Semmelknödel, Kaiserschmarren, Thunfischtartar und Carpaccio, Wahoogulasch mit selbstgemachten Nockerl, Wahoo gebacken mit Kartoffelsalat. Wie ihr seht, es geht uns nicht schlecht an Bord von Sagitta. An der Angel hatten wir bis jetzt einen 10 kg Thunfisch und einen 12 kg Wahoo.

Am 9. Tag stand dann bereits das "Bergfest"an. Die Hälfte war geschafft! 1100 Seemeilen. Es wurde allerdings merklich kühler, seit wir den 30. Breitengrad erreichten.Das Wetter hielt sich auch wieder an die via Satellitenhandy heruntergeladenen Grib - Files. SSO bis 20 Knoten.Zur Feier des Tages bereitete Heinz sein legendäres Kartoffelgulasch zu. Eine Flasche Rotwein war uns das natürilch auch wert. Mittlerweile sind es unter 1000 Seemeilen bis Flores. Wenn alles so bleibt sind wir in einer Woche auf den Azoren.

Am 11. Tag gab es leider Bruch. Mit einem Knall brach die Befestigung des innen liegenden Oberwants, das den Mast mit stabilisiert. Abfallen, Segel bergen und Maschine an. Mit dem Spifall über Mittelklampe und Winsch dichtgeholt war der Mast für`s Erste mal sicher. Wir nahmen das Groß gerefft dazu und motorten dadurch einen halben Knoten schneller. Noch lagen ja über 900 Seemeilen vor uns. Am nächsten Tag, enterte ich ich den Mast auf und befestigte den Bullenstander mit Talje anstelle des gebrochenen Wants. Ich mußte zweimal hinauf, da der Seegang es verdammt erschwerte, sich festzuhalten. Das kostete die meiste Kraft. Es hat sich aber ausgezahlt und wir konnten die Genua stark gerefft zum Großsegel setzen. Mit dem Treibstoff mußten wir sparsam umgehen. 2 Tage konnten wir noch mit so etwa 4,5 Knoten segeln.Der Rest wurde dann motort. Immer neue Berechnungen über die Reichweite anstellend. Bei 1500 Umin errechneten wir einen Verbrauch von 2, 6 Liter Diesel in der Stunde. Kurz gefasst. Wir starteten von Guadeloupe mit 510 Litern und kamen in Flores mit 40 Litern an. Es ist gut gelaufen für uns. Die Strömung war die letzten 400 Seemeilen auch noch mit uns. Die gesamten Motorstunden beliefen sich auf 140.

Durch die ruhige See die letzten Tage konnten wir sehr viele Delphine beobachten, die immer wieder unser Schiff aufsuchten, um in der Bugwelle zu schwimmen. Faszinierend, mit welch wenigem Aufwand sie Geschwindigkeiten bis über 60 km/h erreichen können. Seit Tagen sehen wir auch immer eine Vielzahl an " Portugiesischen Galeeren". Staatsquallen die an der Oberfläche treiben und durch ihre blauviolette Gasblase sehr auffällig sind. An der Unterseite hängen bis zu 20 Meter lange,blaue und rotviolette Tentakeln. Mit denen sie auch kleine Fische fangen.

 

Der letzte Tag auf See. Noch 85 Seemeilen, etwa 15 h bis zur Insel Flores, die westlichste der 9 Azoreninseln.Ein unglaublich farbenprächtiger Sonnenaufgang über dem öligen ( spiegelglatten, Oberfläche sieht aus wie ein Ölmeer) Atlantik, der von einer quer laufenden Grunddünung durchzogen ist. Ich sitze mit Segeljacke und langer Hose im Cockpit und schreibe diesen Bericht zu Ende. Der Motor gibt das Hintergrundgeräusch mit 1700 Umin. 6 Knoten Fahrt. Heute werden wir die Uhr noch um eine weitere Stunde nach vorne stellen. Die Azoren haben UTC - 1. Mickey, der geschüttelte Kater, hat die meiste Zeit der Atlantiküberquerung geschlafen, jetzt kommt er mal rauf und schaut mal was sich so tut. Die Schleppleinen werden ausgebracht. Ein Fisch wäre nicht schlecht zum Abschluß.

Am Abend kommen wir, allerdings ohne Fisch, in Lajes de Flores an. Nach 17 Tagen und 4 Stunden, um genau zu sein.

2280 Seemeilen liegen in unserem Kielwasser.