Habt Ihr Pampelmusen?

Habt Ihr Pampelmusen?

Wie oft geht man spazieren und wird mit Obst und Gemüse beschenkt? Ziemlich oft, hier in Polynesien!

In den Marquesas bereits haben wir festgestellt, dass die Menschen von all dem, was sie im Überfluss haben, gerne auch viel abgeben. Sogar von den Waren, die manche nach Tahiti verkaufen um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

In Tahuata ging eine alte Dame mit uns Mangos sammeln und beschenkte uns mit getrockneten Bananen. Auf dem Weg zum alten Mangobaum im Wald gab es eine Führung durch das Dörfchen Hapatoni gratis dazu!

An einem anderen Tag ankerten wir in einer unbewohnten Bucht von Tahuata als ein Fischerboot zu uns kam und die zwei jungen Männer uns Brot und Tomaten im Tausch anboten. Wir tauschten und die Beiden tranken ein kaltes Bier aus Ecuador. Bei der Verabschiedung erklärte uns einer von ihnen, dass an Land das Grundstück seiner Familie gehöre, dort gäbe es Pampelmusen und Limonen, wir sollen alles holen, was an den Bäumen hängt, denn da erntet sonst niemand.

In Ua Huka fragten wir nach Obst und die Dorflehrerin mit dem schönen Namen Delphine schickte uns zum Haus ihrer Schwester. Dort wurden Mangos und Bananen vom Baum geholt und uns samt selbstgeflochtenem Obstkorb übergeben. Den sollen wir bitte auch behalten. Wir machten der Familie ebenfalls kleine Geschenke. Die Enkelinnen bekamen Haarspangen und Malstifte, der Sohn Angelschnur und Haken und die Dame des Hauses Bodylotion und Nagellack. Alle waren glücklich und wir gingen unserer Wege.

Auf dem Weg zum Wasserfall in Nuku Hiva wandern wir einen von Blumenhecken gesäumten Weg durch das kleine Dorf als eine Dame uns entdeckte, ihren Rasentrimmer abstellte und rüber rief: „Guten Morgen, habt Ihr Pampelmusen?“ Etwas überrascht haben wir dankend abgelehnt, da wir diese nicht zum Wasserfall und zurück schleppen wollten. Diese Entscheidung wurde vom Schicksal auch nicht bestraft, denn gegen Ende der Wanderung trafen wir den nächsten Großzügigen im Wald, der uns erklärte wo sein Haus ist. Seine Frau sei daheim und wir sollen uns bei ihr Bananen holen. Mit ihr tauschten wir am Folgetag noch einige Kosmetika gegen Unmengen an Obst und Gemüse und füllten unsere Obstnetze soweit auf, dass es den Eindruck machte, wir hätten eine gefräßige Fußballmannschaft an Bord.

In den Gesellschaftsinseln, hatten wir gelesen, tauschen die Menschen nicht so gern, da sie alles kaufen können. Schon möglich, aber beschenkt wurden wir hier auch, sogar ohne danach gefragt zu werden. In Raiatea kam ein Fischerboot ganz nah an uns heran während der langsamen Fahrt durch die Lagune und die junge Dame am Steuerstand fragte uns, ob wir Mangos haben wollen. Dabei hielt sie einen Plastiksack mit etwa 20 Früchten in die Höhe. Wir erkundigten uns nach dem Preis und sie machte klar, es sei ein Geschenk!

In Tahiti beobachtete uns eine Frau, wie wir im Vorbeigehen zwei auf dem Boden liegende Mangos aufheben wollten und lief auf uns zu. Wir vermuteten schon Schimpfe, da es möglicherweise ihr Baum war, aber weit gefehlt! Die Gute hatte einen Beutel bei sich, voll mit Mangos für uns, gratis!

In Moorea fragten wir einen Mann, ob er uns eine Brotfrucht verkaufen würde. Er schüttelte mit dem Kopf und fragte ob eine reiche, wir können auch zwei bekommen, natürlich geschenkt!

Ebenfalls in Moorea sahen wir einen Mann, der etwa sechs Brotfrüchte in der Glut liegen hatte. Mit dem Gedanken ans nächste Strandgrillen fragten wir ihn, wie lange die Früchte im Feuer brauchen, bis sie gar sind. Auf die Frage hin gab es nicht nur die Antwort sondern eine fertig gegrillte Brotfrucht, geschält und mit Teller für den einfacheren Transport zum Schiff. Den Teller können wir behalten sagte er, wir brachten ihn aber wieder mit einem kleinen Geschenk.

So großzügig sind hier viele Polynesier.